Spielend lernen
Smiling Gecko Educational Campus
Spielerisch lernen









Jane McTigue
Leiterin Pre-Kindergarten und Kindergarten der Lakeside School

Dr. Anja Römer, Mutter zweier Kinder an der Lakeside School
Perfektes Teamwork
Smiling Gecko Educational Campus
PERFEKTES TEAMWORK

KOY Semnang ist Mariyas Sous Chef im Restaurant «Un». Er ist 35 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder, die noch gemeinsam mit Semnangs Ehefrau in seiner Heimatstadt Siem Reap leben. Bevor er vor zwei Jahren zu uns gekommen ist, hat er in verschiedenen Hotels in Phnom Penh und Siem Reap gearbeitet. Semnang ist ein grossartiger Koch, der Spass daran hat, jeden Tag noch ein bisschen besser zu werden.
«Für mich ist es eine tolle Erfahrung, meine Fähigkeiten und Talente in der Schweiz zu zeigen und so das Entwicklungsland Kambodscha zu vertreten.»
KEANG Vuthy ist seit etwas mehr als zwei Jahren der Pastry Chef des Farmhouse Resorts. Wie Semnang kam auch er aus Siem Reap zu uns ins Hotel, um sich weiterzuentwickeln. Er ist 35 Jahre, verheiratet und hat zwei Kinder. Im Gegensatz zu unserem Sous Chef lebt er mit seiner ganzen Familie auf dem Smiling Gecko Campus. Vuthy macht wunderbare Desserts und Konditoreiwaren, die es im Resort sowohl im Restaurant «Un» als auch im À la Card Restaurant gibt. Sehr fein.
VAT Sreymey ist Jahrgang 2005 und damit definitiv das Küken in unserer jungen Truppe. Sie arbeitet als Commis im Restaurant «Un». Sreymey kommt aus einem der Dörfer in der Nachbarschaft des Smiling Gecko Campus und lebt noch bei ihren Eltern. Mit 16 wurden sie von Mariya in einem Street Food Restaurant auf dem Markt entdeckt. Mariya sprach mit den Eltern und überzeugte sie, Sreymey eine Ausbildung bei uns machen zu lassen. Das ist jetzt drei Jahre her, in denen sich die junge Frau unglaublich entwickelt hat. Maryia hat viele Parallelen zu ihrer eigenen Geschichte in Sreymey gesehen und ist einfach begeistert vom Talent und der Passion, mit der sie alles aufsaugt, was ihre Lehrmeisterin ihr beibringt.
Sechs Wochen in einer anderen Welt
Smiling Gecko Campus
Sechs Wochen in einer anderen Welt
Eine Volontärin berichtet über ihre Zeit in unserer Schule.
Der härteste Job bei Smiling Gecko
Smiling Gecko Campus
DIE GESICHTER DER ARMUT
Ein Gespräch mit unserer Sozialarbeiterin Sopheary





Lehrerinterviews, Zweiter Teil
Smiling Gecko Schule und Kindergarten
HOFFNUNGSTRÄGER MIT SCHWEREM RUCKSACK

Das ist interessant. Da habe ich von anderer Seite und vor allem von unseren Kindern ganz andere Geschichten gehört. Die sprachen von hohen versteckten Gebühren, welche ihre Familien für die Ausbildung zahlen müssten. Zum Beispiel für die Unterrichtsmaterialien, die Schulkleidung und häufig genug auch als direkte (illegale) Zahlung an die Lehrerkräfte, die so ihren kargen Lohn zumindest etwas aufbessern. Aber gut: Wie so vieles in Kambodscha liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo in der Mitte. Ganz abwegig kann die Behauptung mit den Schulgebühren (die Rede ist von bis zu 700 $ im Jahr) aber nicht sein. Wie sonst liesse es sich erklären, dass so viele Familien ihre Kinder gar nicht oder nur kurz in die Schule schicken?
Dann äussert sich Vat über die allgemeine Qualität der Schulen. Und spätestens da werde ich wirklich hellhörig. Die scheint nämlich überaus schwankend zu sein – um es nett auszudrücken. Natürlich gibt es da das nationale «Khmer Curriculum», in dem genau definiert ist, welche Inhalte die Kinder in den einzelnen Schuljahrgängen lernen müssen. Nur fehlt es an der Kontrolle durch staatliche Stellen, ob eine Schule den vorgegebenen Stoff eines Jahres auch wirklich vermittelt hat. Problematisch, aber die Aussage deckt sich voll mit unseren Erfahrungen aus dem Jahr 2017, als wir für unseren ersten Schuljahrgang Kinder von staatlichen Schulen übernommen haben. Wir mussten damals durchaus überrascht feststellen, wie unterschiedlich das Niveau an Vorbildung gewesen ist. Wir haben in dieser Zeit Kinder gesehen, die teilweise bereits drei Jahre zur Schule gegangen sind und bei uns trotzdem zurück in die 1. Klasse mussten. Ganz einfach, weil sie bis dato keinerlei verwendbares Wissen erlangt hatten.
An dieser Stelle hake ich nicht nach, weil ich das Gefühl habe, Van ist es ein bisschen peinlich, gegenüber einem Europäer über das kambodschanische Schulsystem herzuziehen. Ich frage ihn stattdessen, ob er das Gefühl hat, der Campus mit seinen unterschiedlichen Angeboten könnte für unsere Schulkinder ein Ort der Inspiration sein. Seine Antwort kommt umgehend und ist völlig anders, als von mir erwartet:
«Unsere Kinder sind arm. In den Familien herrscht Hunger. Viele Eltern trinken und sind gewalttätig gegenüber dem eigenen Nachwuchs.»

«Wir haben hier alles für die Kinder. Sie bekommen genug Essen und erhalten Ganztagsunterricht. Völlig anders als an den Öffentlichen Schulen.»
Aber auch für die Lehrer selbst ist unsere Schule ein besonderer Ort. Sovann erwähnt ihre Gehbehinderung, mit der sie andernorts niemals eine Anstellung gefunden hätte. Auch schätzt sie es sehr, sich durch ihren Job bei Smiling Gecko selbst weiterentwickelt zu haben. Als Beispiel nennt sie ihre Englischkenntnisse, die sie erst bei uns wirklich erlangt hat. Und die sind ziemlich gut, finde ich. Wir brauchen keinen Dolmetscher, sondern führen das Interview ohne Probleme auf Englisch.
Auch Sovann konfrontiere ich mit einer kritischen Anmerkung, die wir in Europa bezüglich unserer Schule immer mal wieder hören. Es geht um das tägliche Duschen und die Reinigung der Schuluniformen. Sie schüttelt den Kopf und sagt dann: «Weisst du, die hygienischen Bedingungen hier auf dem Land sind sehr problematisch. Viele Menschen sind deswegen krank. Wenn unsere Kinder nicht sauber sind, werden sie auch krank. Dann können sie nicht in die Schule gehen und lernen nichts. Und natürlich ist es völlig ausgeschlossen, dass die Familien ein krankes Kind richtig versorgen könnten. Wir müssen uns kümmern, sonst erreichen wir unsere Ziele nicht.»
Sam, den ich später noch interviewen werde, meldet sich zu Wort. «Wenn wir den Eltern die Schuluniformen zum Waschen geben würden, wären sie in kürzester Zeit unbrauchbar. Weil die Mittel fehlen. Das wäre viel teurer.»
Als Letztes befrage ich Sovann zu ihren persönlichen Erfahrungen in Bezug auf unseren ‘Ein Kind pro Familie‘ Ansatz. Ist das ein Problem im Gespräch mit den Eltern?
Jein. Natürlich würde sie privat immer wieder gefragt, ob Familien aus ihrer Nachbarschaft nicht vielleicht doch auch ihre anderen Kinder zu uns schicken dürfen. Sie antwortet dann immer: Wir wollen möglichst vielen Familien in den Gemeinden rund um den Campus helfen. Das wird verstanden. Auch erleben die Eltern zu Hause, wie eifrig unsere Schulkinder das Erlernte an die Geschwister weitergeben. Diese letzte Aussage deckt sich mit dem, was mir die Kinder selbst erzählt haben: Alle sprachen davon, ihre Geschwister zu unterrichten. Schön!

Mein letzter Gesprächspartner ist Sam, der Deputy Head an unserer Schule, den ich bereits verschiedentlich getroffen und gesprochen habe, da er uns unter anderem auch bei unserem Stipendienprogramm unterstützt.
Mit ihm möchte ich mich über die Herausforderungen unterhalten, von denen eigentlich alle Lehrkräfte zuvor berichtet haben: Das familiäre Umfeld unserer Kinder. Die Armut, den Alkoholismus, die Gewalt.
Sams Antwort darauf: «Unsere Kinder leben in zwei verschiedenen Welten. Der Campus ist der Himmel für sie. Sie bekommen etwas zu essen, man spricht anständig mit ihnen, sorgt sich um sie. Zu Hause sieht es ganz anders aus. Was sie dort erleben müssen, ist Geschrei und Zerstörung.»
«Die Kinder brauchen unsere soziale Unterstützung. Sie müssen das Gefühl erhalten, die Schule ist ein sicherer Ort. Zu Hause ist es nicht sicher. Sicherheit ist wichtiger als Ausbildung.»
Was kann die Schule hier leisten, will ich von ihm wissen. Sam findet, alle Lehrer und die Schulleitung müssen sich mit den Eltern auseinandersetzen. Sie müssen ihnen aufzeigen, was sie falsch machen. Ihnen erklären, was sie anders machen sollten.
«Und funktioniert das?», frage ich nach. Sam antwortet darauf: «Die Eltern wissen, sie können ihren Kindern kein tolles Leben bieten. Mit Spielsachen und was wir uns vielleicht so vorstellen. Aber um guten Eltern zu sein, bedarf es nicht zwangsläufig eines Einkommens. Aber man muss sie ja auch nicht anschreien oder Dinge von ihnen verlangen, die gefährlich für sie sind. Wie beispielsweise das Ernten von Cashewnüssen, bei dem bereits zwei unserer Kinder verunglückt sind und sich Knochenbrüche zugezogen haben, die wir dann auf unsere Kosten behandeln mussten. Also Ja und Nein.»
Ich frage Sam, ob es aus seiner Sicht einen Weg aus der Armut im ländlichen Kambodscha gibt. Er sagt, das wäre problematisch, weil es sich bei der Armut um eine systematische Armut handelt. Die damit zusammenhängt, wie das Land strukturiert ist. Jeder wüsste, es gibt nur mit Bildung einen Weg aus der Armut. Aber die Bildung wird nun mal durch die Politik vorgegeben. Er führt weiter aus, es gäbe durchaus staatliche Bestrebungen, das Bildungswesen zu reformieren. Aber es wäre einfach zu teuer und würde zu lange dauern. Das Geld, das in die Bildung fliesst, geht praktisch zu 100 % in die Löhne des Lehrpersonals. Für die Reformen würde schlicht kein Geld da sein.
Aber auch in den Familien wäre es nicht besser. Wenn mal etwas Geld da ist, geht es für materielle Dinge drauf. Ein Mobiltelefon, Make-up, Alkohol. Niemand würde sein Geld nutzen, um damit Computerunterricht zu nehmen oder um eine Sprache zu erlernen.
«Wer Geld hat, geht Bier kaufen.»
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, bedarf es eines politischen Commitments. Einer echten Anstrengung, etwas verändern zu wollen und nicht nur darüber zu sprechen. Die sieht Sam allerdings bisher noch nicht. Im Kleinen würde es darum unsere Schule übernehmen, zumindest die Eltern davon zu überzeugen, wie wichtig Bildung ist. Mit Erfolg. So liegt zum Beispiel die Anwesenheitsquote an unserer Schule bei 97,3 %, während öffentliche Schulen hier meist kaum auf eine Quote von 40 % kommen.
Als Nächstes konfrontiere ich Sam mit einem weiteren Bedenken, das in der Schweiz häufig gegenüber der Nachhaltigkeit unserer Schule geäussert wird: Welchen Sinn macht es, eine aufwendig geführte Schule zu betreiben, wenn die Kinder nach ihrem Abschluss in die Städte oder gar ins Ausland ziehen würden?
Für Sam ist das kein Thema. Er geht davon aus, dass auch die erfolgreichsten Schülerinnen und Schüler eine dauerhafte Verbindung in die Region haben werden. Ansonsten ist es ihm persönlich aber eigentlich auch egal, ob sie hier leben oder anderenorts. Sein Ziel ist es, den Kindern das Rüstzeug mitzugeben, um sich selbst aus der Armut zu befreien. Seine Vorstellung: Sie haben eine Arbeit. Sie haben eine Familie. Sie verursachen keine Aufwände für den Staat. Und genau dafür gäben er und seine Kolleginnen und Kollegen jeden Tag alles. Unsere Schule mag noch nicht alt genug sein, um den Beweis für die Richtigkeit dieser These leisten zu können, aber es gibt andere Beispiele. Etwa die bereits 2004 gegründete australisch-kambodschanische NGO «Cambodian Children’s Fund», dessen erste Jahrgänge bereits die Universität abgeschlossen haben.
Als Letztes will ich von Sam wissen, ob es vorkommt, dass Kinder unsere Schule vorzeitig verlassen. Er nickt. Ja, das gibt es. Wenn auch selten. Der Grund ist immer der gleiche: Die Eltern finden in Thailand oder in Phnom Penh einen Job und es gibt keine anderen andere Verwandten, die bei uns in der Umgebung leben und sich um die Kinder kümmern könnten. Letzteres ist allerdings durchaus häufiger der Fall. Die Kinder sind zum Beispiel bei den Grosseltern und die Eltern sehen sie nur an Wochenende oder zu grossen Feiertagen, wenn sie nach Hause kommen.
In diesem Zusammenhang wichtig zu wissen: Die Menschen in Kambodscha sind sehr auf ihre Familien fixiert. Unabhängig davon wie arm eine Familie auch sein mag und wie schlecht die Lebensbedingungen sind: Sie wollen immer in der Grossfamilie zusammenleben. Für Sam ist dies eine der Nachwirkungen des Regimes der Roten Khmer. Die haben Familien seinerzeit ganz bewusst auseinandergebracht, in dem zum Beispiel Eheleute in unterschiedliche Regionen des Landes deportiert wurden. Die Angst, dies könnte sich wiederholen, ist immer noch omnipräsent.
Was für eine schreckliche Vorstellung. Aber umso mehr drücken wir unseren Kindern und Lehrerkräften die Daumen, das Leben ausserhalb des Campus möge eines Tages zumindest annähernd so sein, wie sie es bei uns erleben. Sie haben es alle verdient.
Lehrerinterviews, erster Teil
Smiling Gecko Schule und Kindergarten
IMMER AUF DIE LEHRER HÖREN!


«Die Kinder kommen aus zwei Gründen jeden Tag zu uns in die Schule: Weil sie gerne lernen und weil sie hier die Liebe bekommen, die ihnen zu Hause von ihren Eltern oft nicht entgegengebracht werden kann.»
«Zuhause erhalten die Kinder keine Wärme. Sie werden nicht in den Arm genommen oder ähnliches. Darum ist für die Schule so wichtig. Hier erhalten sie das, was ihnen fehlt.»

Das habe ich doch so ähnlich schon von Susan gehört. Ich hake nach und erhalte ein Beispiel. Amy erzählt von einer Begebenheit, bei der sie ein Kind gefragt hat, ob es von den Eltern hören würde, dass sie es liebhaben. Das Kind hätte nur verlegen lächeln können. Andere wurden deutlicher: Sie geben gegenüber der Lehrerin offen zu, das familiäre Fürsorge und Liebe nicht existent sind.
Krass. Aber damit wir uns richtig verstehen: Weder Amy noch Susan machen den Eltern einen Vorwurf. Sie beschreiben einfach nur die Realität und ihren Alltag.
Ich bin dankbar für diese Einsichten. Denn, wer wie ich, die Kinder bei einem Besuch auf dem Smiling Gecko Campus nur aus der Distanz über den Schulhof tollen sieht, bekommt definitiv nicht das richtige Bild. Apropos Campus: Ich frage Amy nach ihrer Meinung, in wie weit der Campus mit seinen verschiedenen Ausbildungsstätten den Kindern helfen wird, wenn es eines Tages um die eigene Berufswahl geht. Er hilft sehr, findet Amy. Sie sagt, Kinder, die neu zu uns kommen, wollen eigentlich alle in der Fabrik arbeiten – so wie es andere Mitglieder in ihren Familien tun. Sie wollen Farmer werden und vielleicht maximal noch Coiffeurinnen oder Coiffeure. Weil das nun mal die Berufe sind, die sie aus ihrem wahnsinnig eingeschränkten Umfeld kennen. Amy sieht es als ihre Aufgabe, den Horizont der Kinder zu erweitern. Ihnen eine Welt zu eröffnen, sie zu inspirieren. Und das schein zu klappen! Plötzlich wollen die gleichen Kinder zum Beispiel Krankenschwestern werden oder Polizisten. Und warum dürfen Kinder nicht auch in Kambodscha davon träumen, Sängerin oder Fußball-Profi zu werden? Die Träume gibt es. Ich selbst habe sie gehört, als ich mich mit einigen Jungen und Mädchen aus der 6. Klasse unterhalten habe. Was übrigens problemlos auf Englisch geht. Auch dazu habe ich mit Amy gesprochen und sie gleichzeitig mit dem Vorwurf konfrontiert, es gäbe immer wieder Bemerkungen aus Europa, unsere Schule wäre zu teuer.
Ihre Meinung dazu: «Die Herausforderung ist, dass wir eben nicht in ein Business investieren, wo man das Ergebnis schnell sieht, sondern in unsere Kinder. Das braucht Zeit. Aber wir sind bereits in der 6. Klasse und in wenigen Jahren werden wir wissen: Unsere Schule ist nicht zu teuer. Weil wir in eine Ausbildung investiert haben, mit der aus vollständig unterprivilegierten Kindern grossartige Erwachsene mit besten Berufsaussichten werden.» Dazu gehört für Amy auch der zweisprachige Ansatz aus Khmer und Englisch, ohne den unsere Kinder nicht die gleich guten Chance auf eine erfolgreiche Zukunft hätten. Sie ist davon überzeugt: Die Globalisierung macht auch vor Kambodscha keinen Halt. Englisch ist die Vorrausetzung für eine Chancengleichheit. Und dabei geht es für sie im Unterricht nicht darum, irgendwelche Vokabeln auswendig zu pauken oder nur die Grammatik zu lernen, sondern um die Anwendung der Sprache. Die Kinder sollen die Sprache verstehen, nicht nur sprechen.
Ein starkes Statement einer wirklich eindrücklichen Persönlichkeit. Aber kommen wir zum nächsten Lehrer. Und damit zu Eric, unserem Bibliothekar aus den USA. Ich erlebe ihn als ruhigen Zeitgenossen, der mit wachen Augen über den Campus geht und einen beeindruckenden Umgang mit den Kindern hat. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lehrkräften, sieht Eric alle Klassen jeweils nur ein Mal pro Woche. Wenn sie für ihren Unterricht zu ihm in die Bibliothek kommen. Wie praktisch alle internationalen Lehrer hat auch Eric bereits an anderen Schulen und in anderen Entwicklungsländern gearbeitet. So war er bereits Lehrer in Phnom Penh und auf den Marschallinseln, einem Kleinstaat im Südpazifik, der im HDI (Human Development Index) nur weniger Plätze vor Kambodscha liegt. Ein Profi.
Auf meine Frage, warum er den Job bei uns angenommen hat, berichtet er davon, bei uns die Chance bekommen zu haben, als Bibliothekar eine kleine Bibliothek aufzubauen. Er spricht von der Faszination, unseren Kindern die englische Sprache und Literatur allgemein näher bringen zu können. Dabei leuchten seine Augen. Ich frage Eric, welche Herausforderungen er im Umgang mit unseren Kindern sieht. Darauf antwortet er:
«Die Kinder kommen aus dem Nichts. Sie mögen eine Familie haben, aber ansonsten fehlt ihnen praktisch alles. Es gibt nichts, auf dem man an Anfang aufbauen kann…»

«Im Vergleich zu den Stadtkindern sind unsere natürlich viel ärmer, aber bei genauer Betrachtung vielleicht gerade deswegen deutlich reicher. Weil sie alles anders wertschätzen können. Sie kommen mit einem Lächeln in die Schule und sind einfach unendlich dankbar für alles, was wir für sie tun.»

Wird fortgesetzt.
Eine Win-Win-Situation
EINE WIN-WIN-SITUATION


«In der Schreinerei haben wir ein super Team und es ist sehr spannend hier zu arbeiten. Die einzige Barriere ist die Sprache, aber mit Händen und Füssen können wir uns dann doch immer verständigen.»




HILFE FÜR DAS LAND DES SCHADHAFTEN LÄCHELNS
HILFE FÜR DAS LAND DES SCHADHAFTEN LÄCHELNS


Unser Dank geht an dieser Stelle an Jan, Katarina, Kübra, Larissa, Lily, Luca, Marco, Michelle, Sangavi, Sophie, Thang Phong, Tobias und Yves. Diese 12 waren es, die im August und September 2022 zu uns auf den Campus gereist sind, um hier unentgeltlich die Zähne unserer Kinder zu flicken und gleichzeitig wichtige Aufklärungsarbeit im Bereich Zahnhygiene an unserer Schule zu leisten.
Doch das Engagement ging sogar noch deutlich weiter. Denn bereits im Vorfeld ihres Kambodschaaufenthalts war die Gruppe unermüdlich unterwegs, um bei zahnmedizinischen Unternehmen und Praxen Sachspenden zu sammeln, welche die Grundlage für den Einsatz bei uns wurden. Das alles war und ist sehr eindrücklich.
Noch mehr Bilder sowie weitere Hintergrundinformationen zum Projekt finden sich auf dem Instagram-Account der Gruppe, der über diesen Link erreichbar ist. Dort werden auch die Unternehmen erwähnt, die die Gruppe (und damit uns) unterstützt haben. Für letzteres möchten wir uns an dieser Stelle natürlich ebenfalls ganz herzlich bedanken.
Wir sind glücklich ob so viel Eigeninitiative. Wir schenken darum heute allen Beteiligten ein hoffentlich noch lange strahlend weisses Lächeln.

Auf dem Campus wächst jetzt die Königin der Gewürze
Auf dem Campus wächst jetzt die Königin der Gewürze



Anspruchsvoll sind auch die Pläne, die wir sonst in Bezug auf das Projekt haben. Wir könnten eine Anbaufläche von bis zu einem Hektar für Vanille schaffen. Die zu erwartenden Erträge würden einen Teil der hohen Kosten unserer Schule decken. Gleichzeitig liessen sich mehrmals im Jahr zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen. Einige davon wären für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung geeignet, was auf dem Campus bisher eher die Ausnahme ist. Da hier die körperlich anspruchsvolle Arbeit auf den Feldern und in den Handwerksbetrieben die Regel ist. Auch für die Frauen aus der Region gäbe es neue Jobs. Zum Beispiel beim Bestäuben, für das es jeder Menge Fingerfertigkeit bedarf.
Darum: Drücken wir uns allen die Daumen!
Die Tahiti-Vanille (Vanilla tahitensis) ist eine immergrüne Pflanzenart aus der Familie der Orchideen. Neben der klassischen Bourbon-Vanille – die überwiegend aus Madagaskar, den Komoren und Reunion stammt – ist die Tahiti-Vanille die zweitwichtigste Art für den kommerziellen Anbau, der fast ausschliesslich zur Gewinnung des Vanille-Gewürzes erfolgt. Das Gewürz wird dabei aus der als Vanilleschote bezeichneten fermentierten Kapselfrucht gewonnen. Diese bildet sich, nachdem die Bestäubung der Blüten erfolgreich war.

Das Bestäuben der Blüten erfolgt traditionell von Hand. Dabei ist höchste Eile geboten. Denn bereits nach wenigen Stunden verwelken die Blüten und es dauert bis zu einem Jahr, bis die Vanille neue Blüten ausbildet. Die Hauptanbaugebiete der Tahiti-Vanille liegen heute immer noch im Bereich des Südpazifiks. Aufgrund ihrer aromatischen Eigenschaften werden die Schoten der Tahiti-Vanille traditionell vor allem in der Parfümherstellung verwendet. Sie findet aber auch immer stärkeren Einsatz in der Spitzengastronomie.